Nach einer 15-stündigen Zugfahrt sind wir mit nur drei Stunden Verspätung in Varanasi angekommen. Das "nur" ist keineswegs ironisch gemeint. Glaubt man den Leuten am Bahnhof, sind 10h keine Seltenheit. Varanasi soll eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt sein. Morgens und abends werden an den Ufern des Ganges vielerorts Zeremonien abgehalten - gleichzeitig mit Volks-Yoga... Gleich am ersten Abend stürzten wir uns bei gefühlten 52 ° (laut Wetter-App) ins Getümmel. Unsere Unterkunft lag relativ am Rand des Geschehens in der Nähe eines der größten Ghats (Assi-Ghat), aber dafür mit einem super Blick über die ganze Szenerie von Rooftop aus. Ach so, ein Ghat nennt man die Stufen, die zu einem heiligen Gewässer (in diesem Fall den Ganges) hinunterführen. Diese sind meist nach religiösen Figuren oder dem Erbauer des nächstgelegenen bedeutenden Bauwerks benannt. Der Ganges ist den Hindus heilig und ein Jeder möchte möglichst am Ganges sterben und seine Asche hier verstreut wissen. Ein Bad im Ganges würde von Sünden reinigen und wer innerhalb von 24h nach dem Tod an den Ufern des Ganges verbrannt wird, würde Moksha erreichen und den Weg aus dem Kreislauf der Wiedergeburt finden. So sieht man entlang des Ufers Bauwerke und Paläste, da damals wie heute wichtige Persönlichkeiten (heute bsp. viele indische Schauspieler) einen Fuß in der Tür zum Nirvana haben wollen. Weiterhin gibt es auch einige Hospize, denn auch dem "Sterbetourismus" muss Rechnung getragen werden. Wir machten uns also auf dem Weg über die verschiedenen Ghats. Es herrscht eine eigenartige Stimmung aus Volksfest, Abschied, Pilgertum und Badevergnügen - also keineswegs schwermütig. Vll nennt man es morbiden Charme? Wir konnten am Manikarnika-Ghat gesamte Verbrennungs-Zeremonien mitverfolgen. Hier werden 24/7 Verbrennungen durchgeführt (ca. 200 -300 tgl.). Die Leiche ist in Tücher gewickelt und wird zuvor nochmals im Ganges "gebadet", anschließend auf Holz gebettet, bedeckt und mit Ghee präpariert. Im Folgenden muss den nächste Angehörige (mit geschorenen Kopf) mit einer Fackel aus dem "ewigen Feuer" gegen den Uhrzeigersinn fünfmal (für die 5 Elemente) um den Leichnam gehen und schließlich entzünden. Gelöscht wird nach ca. 2,5-3 h mit Ganges-Wasser (was sonst) über die linke Schulter. Die restliche Asche wird im Ganges verstreut. Es riecht übrigens nur nach Holz. Den Geruch, den einige von uns kennen und dort erwarten würden, sucht man (glücklicherweise) vergebens. Das würde an verschiedenen Hölzern und Ölen liegen, hat man uns versichert. Frauen wird nur sehr selten die Ehre der Verbrennnung zuteil. Offene Trauer wird übrigens nicht geduldet und jemand, den es übermannt, wird zur Seite geführt. Es gibt aber auch Gruppen die nicht verbrannt werden: Sadhus, schwangere Frauen, Kinder unter 12 und Personen, die von einer Kobra gebissen wurden. Diese werden (scheinbar eine besondere Wertschätzung) nur beschwert und dem Ganges übergeben. Kaum ein Reisebericht über Varanasi ohne Wasserleiche. Auch wir hatten unsere Erlebnisse...daneben schwimmen und tauchen die Kinder, wird Wäsche gewaschen, gefischt und Zähne geputzt..(Der perfekte Ort, um wen loszuwerden, wenn ihr mich fragt.) Das scheint auch keinen Anstoß zu erwecken: Uns wurde von einem Bootsführer angeboten, er könne uns dorthin fahren, wo die wilden Hunde die angespülten Leichen fressen. Danke...
Der Ganges is eines der am meisten verschmutzen Gewässer der Welt. Es werden große Mengen an belastenden Abwässern mit Schwermetallen, sowie Fäkalabwässer und natürlich Leichenreste zugeführt. Die Belastung durch Kolibakterien ist 2000-mal höher als in Indien erlaubt. Thypus- und Cholerabakterien wird es hier leicht gemacht.
Natürlich haben wir auch ein paar der verschiedenen hinduistischen Heiligtümer besucht. Hier sind sie aber größtenteils sehr überlaufen oder neueren Datums und deswegen für uns nicht sooo interessant. Eine Bootstour um 5 Uhr morgends bot nochmal einen ganz anderen Blickwinkel.
Am letzten Abend haben wir einfach die Stimmung auf uns wirken lassen. Hier überwog wieder Volksfest mit Treffen von Jung und Alt, Arm und Reich, Pilgern und Touristen aus der ganzen Welt inmitten von Tanzvorführungen, Chaiverkäufern, Straßenkindern (Die einen Spielzeugverkäufer beklauen wollen, der das wohlwollend immer wieder verhindert.) und Abendzeremonien.
Es geht weiter in den Süden nach Goa...
Der Ganges is eines der am meisten verschmutzen Gewässer der Welt. Es werden große Mengen an belastenden Abwässern mit Schwermetallen, sowie Fäkalabwässer und natürlich Leichenreste zugeführt. Die Belastung durch Kolibakterien ist 2000-mal höher als in Indien erlaubt. Thypus- und Cholerabakterien wird es hier leicht gemacht.
Natürlich haben wir auch ein paar der verschiedenen hinduistischen Heiligtümer besucht. Hier sind sie aber größtenteils sehr überlaufen oder neueren Datums und deswegen für uns nicht sooo interessant. Eine Bootstour um 5 Uhr morgends bot nochmal einen ganz anderen Blickwinkel.
Am letzten Abend haben wir einfach die Stimmung auf uns wirken lassen. Hier überwog wieder Volksfest mit Treffen von Jung und Alt, Arm und Reich, Pilgern und Touristen aus der ganzen Welt inmitten von Tanzvorführungen, Chaiverkäufern, Straßenkindern (Die einen Spielzeugverkäufer beklauen wollen, der das wohlwollend immer wieder verhindert.) und Abendzeremonien.
Es geht weiter in den Süden nach Goa...
Dashashwamedh Ghat - Main Ghat
Manikarnika-Ghat - auch Burning Ghat genannt
Blick auf das Dashashwamedh Ghat
Manikarnika-Ghat
Wenn der Ganges viel Wasser führt, sind die Stufen nicht mehr zugänglich.
Blick auf die trockene Seite des Ganges
Sonnenaufgang am Ganges










Ihr wisst ja, ich bevorzuge eher Gletscherseen zum Baden. Noch ein Grund mehr.
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